Chemnitz hat einige architektonische Sehenswürdigkeiten zu bieten. Eine herausragende Stellung von europäischem Rang nimmt die Villa Esche ein. Der Künstler Henry van de Velde (1863-1957) prägte als Maler, Designer, Kunsttheoretiker und Reformer maßgeblich die Ausformung des Jugendstils in Deutschland. Entwurf und Bau der Villa Esche in Chemnitz an der Parkstraße war van de Veldes erstes architektonisches Auftragswerk in Deutschland.
Auftraggeber war der junge Chemnitzer Textilunternehmer Herbert Eugen Esche (1874-1962). 1902/03 erfolgte die Planung und der Bau der Villa, nachdem auch schon die Wohnung der Esches von van de Velde entworfen wurde. 1911 wurde die Villa nochmals durch van de Velde erweitert. 1913 entwarf er ebenfalls die Villa Koerner für den Schwager Esches. 1957 verstarb van de Velde im Alter von 94 Jahren in Zürich.
Nach dem Kriege wanderte Herbert Esche aus und verstarb 1962 in der Schweiz. Nach 1945 wurde die Villa zunächst als sowjetische Kommandantur genutzt, später durch die Staatssicherheit. Zwischenzeitlich diente die Villa für 5 Jahre als Wohnhaus dem Sohn des Bauherrn, Hans Herbert Esche. Später, in den Zeiten der DDR, als Sitz der Handelskammer.
1998 wurde die leerstehende, sanierungsbedürftige, aber wertvolle Immobilie von der Grundstücks- und Gebäudewirtschafts GmbH (GGG) erworben, um die Villa Esche für eine denkmalgerechte öffentliche Nutzung zu bewahren. Die Restaurierungsarbeiten nahmen einige Jahre in Anspruch, da die verschiedenen Nutzungen, die baulichen Veränderungen und das jahrelange Leerstehen deutliche Spuren hinterlassen hatten. Die Beseitigung der Feuchtigkeitsschäden stellte eines der vordringlichsten und schwierigsten Probleme dar. Die enorme Nässe des Mauerwerks war selbst im Hausinnern überall sichtbar. Außerdem brachte der von der Staatssicherheit 1952 im Erdgeschoss vorgenommene Einbau eines Kinosaals den größten Verlust von historischer wertvoller Substanz. Wichtige Hinweise entnahmen die Restauratoren insbesondere den aus der Entstehungszeit stammenden Bauakten. Von überragendem Wert für eine detailgetreue Wiederherstellung war die umfangreiche Sammlung historischer Fotos mit Innen- und Außenansichten der Villa Esche.
Die öffentliche Nutzung der Villa erforderte auch bauliche Eingriffe, so mussten zum Beispiel die tragenden Decken- und Treppenelemente an höhere Verkehrslast angepasst werden. Außerdem war der Einbau eines neuen Treppenhauses mit einem behindertengerechten Aufzug notwendig. Dazu kamen moderne WC-Anlagen und eine moderne Haustechnik mit Fußbodenheizung und Klimaanlage.
Seit 2001 steht die Villa Esche der Öffentlichkeit zur Verfügung. In dieser werden verschiedene Sachen geboten. Zum Beispiel beherbergt die Villa Esche das erste "Henry van de Velde Museum" Deutschlands und dient als Kommunikations- und Begegnungsstätte für Wirtschaft, Kunst und Kultur. Das Museum zeigt in fünf Räumen eine Dauerausstellung mit den Möbeln van de Veldes und weitere Exponate aus dem weitgefächerten Schaffen des Künstlers. Außerdem können verschiedene Räume für Fachvorträge, Symposien, Tagungen, Seminare, Konzerte und Lesungen gemietet werden.
In der rekonstruierten Remise der Villa befindet sich ein Restaurant. 50 Sitzplätze in stilgerechter Atmosphäre und Blick auf das Bauwerk van de Veldes und die ebenfalls von ihm entworfene Gartenanlage lassen die Erinnerung an das beginnende 20. Jahrhundert lebendig werden. Mit internationaler Küche und regionalen Spezialitäten sowie mit einer Auswahl großer Weine von anerkannten Winzern und wohlschmeckender Tropfen aus den sächsischen Anbaugebieten kann das Restaurant aufwarten. Neben der a la carte-Küche zeichnet sich das Restaurant auch durch sein exzellentes Catering-Angebot bei Veranstaltungen in der Villa Esche aus.